Berliner Journal Für Soziologie

Journal Information
ISSN / EISSN: 08631808 / 18622593
Published by: Springer Nature
Total articles ≅ 755

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Published: 24 November 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-19; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00486-6

Abstract:
Zusammenfassung: Die Europäischen Gemeinschaften der Nachkriegsjahre haben sich trotz mannigfacher Krisen zu einem stabilen Gebilde entwickelt. Diese Entwicklung war durchaus erwartungswidrig. Der Artikel betont die zentrale Rolle politischer, juridischer und institutioneller Pfadabhängigkeiten im Europäischen Integrationsprozess. Die Kernthese lautet im Anschluss daran, dass die Europäische Union mittlerweile als geradezu überstabil bezeichnet werden muss, da einmal getroffene Weichenstellungen aus strukturellen Gründen kaum mehr korrigiert werden können. Die EU muss daher Alternativen zum Grundsatz der Einheitlichkeit entwickeln und Wege finden, ihren Kritikern innerhalb des Gemeinschaftssystems eine Stimme zu geben. Krisenresistenz, so das Fazit, könnte sich sonst paradoxerweise als Achillesferse der Integration erweisen.
Published: 24 November 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-24; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00488-4

Abstract:
Zusammenfassung: Im November 2020 starb Diego Armando Maradona. Das öffentliche Trauergeschehen und die Kommunikation in Reaktion auf seinen Tod verdeutlichen den außerordentlichen Symbolwert Maradonas in Argentinien auf besondere Weise. Betrachtet man jedoch die Vielzahl an Eskapaden, Regelverstößen, Gesetzesbrüchen und sonstigen Grenzüberschreitungen Maradonas, erscheinen seine fast ungebrochene Popularität und regelrecht sakrale Überhöhung zu Lebzeiten und über den Tod hinaus in einem anderen Licht. Neben seinen beiden Dopingfällen, Schlägereien auf dem Fußballplatz oder obszönen Gesten gegen sportliche Kontrahenten ist gerade auch die Liste seiner außersportlichen Verfehlungen lang. Erklärungsbedürftig ist dabei nicht nur, wie Maradona trotz aller Skandale Held bleiben konnte, sondern auch, in welchem Maße die Widersprüche, Ambivalenzen und Unzulänglichkeiten seinen Heldenstatus erst erzeugten. Aus diesem Grund werden im vorliegenden Beitrag die Leitsemantiken, Legitimationsrhetoriken, Neutralisierungstechniken, Rechtfertigungsgeschichten und sonstigen Präfigurationen identifiziert, die im allgemeinen Reden über Maradona wiederkehrend auftauchen. Es wird gezeigt, wie Gemeinschaftsfiktionen, Protestsymbole, Geniekonzept, Opfernarrative und Gottessemantik seinen Heldenstatus kommunikativ immunisieren, kontrafaktisch stabilisieren und zusätzlich befördern.
Published: 26 October 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-26; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00485-7

Abstract:
Zusammenfassung: Was genau befähigt Wissenschaftler dazu, Drittmittel erfolgreich einzuwerben? Die Literatur zur Drittmittelforschung befasst sich mit den Wirkungsmechanismen externer Forschungsförderung und beleuchtet die ordnungspolitische Dimension des wettbewerbsbasierten Allokationsmechanismus, ohne individuelle Lernprozesse zu berücksichtigen. Die Peer-Review-Forschung nimmt zwar Lernprozesse im wissenschaftlichen Produktions- und Selektionsprozess in den Blick, lässt jedoch Einsichten darüber vermissen, wie sich diese Lerneffekte im wissenschaftlichen Lebenslauf der Antragsteller sedimentieren. Die Studie schließt an diesem Desiderat an. Auf der Grundlage von teilnarrativen Interviews mit erfolgreichen Antragstellern aus den Politikwissenschaften und der organischen Chemie und aus unterschiedlichen Generationen untersucht der Beitrag, erstens, Formen und Bedingungen des Lernprozesses. Zweitens erklärt der Beitrag, warum manche Antragsteller am Glauben festhalten, erfolgreich Forschungsanträge stellen zu können. Demnach erwerben Wissenschaftler aktiv Wissen, das es ihnen ermöglicht, wiederholt Drittmittelanträge zu verfassen. Der Erwerb dieses Wissens ist ein Prozess lebenslangen Lernens. Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass wiederholt erfolgreiche Antragsteller vor allem lernen, sinnvoll zu scheitern.
Published: 26 October 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-23; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00484-8

Abstract:
Zusammenfassung: Die vorliegende Forschungsnotiz entwickelt eine kritische Lesart chinesischer Medienberichte zu einheimischen Angestellten von in China tätigen multinationalen Unternehmen, auch „waiqi white collars“ genannt. Mit Rückgriff auf den hegemonietheoretischen Diskursansatz von Laclau und Mouffe sowie die von Martin Nonhoff entwickelte funktionale Analyse politischer Diskurse untersucht der Artikel die Operationslogik der Berichte im Rahmen des chinesischen Identitäts- und Modernisierungsdiskurses. Insbesondere wird gefragt, wie sich trotz individueller Unterschiede in der medialen Darstellung ein einheitliches Image der waiqi white collars herauskristallisieren konnte. Es zeigt sich, dass die Identitäten der waiqi white collars in jeweils kontextspezifische Artikulationen eingebunden sind, welche sich zentral auf die Frage beziehen, wie China in der globalen Weltordnung positioniert ist und in welcher Beziehung es zum sogenannten „Westen“ steht. Wie der Artikel darlegt, hat in dieser Hinsicht in der jüngeren Vergangenheit ein manifester Wandel im chinesischen Modernisierungsdiskurs stattgefunden. In der Konsequenz wird der Beschäftigungsgruppe der waiqi white collars heute ein prekäres Image zugeschrieben, im Gegensatz zu ihrem früheren Status als Avantgarde der Modernisierung.
Published: 19 September 2022
Berliner Journal für Soziologie, Volume 32, pp 489-502; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00482-w

Abstract:
The Russian invasion of Ukraine is having profound repercussions for the international system and the global economy. In this conversation, Boris Kagarlitsky, professor at the Moscow School for Social and Economic Sciences and long-standing analyst of Russian society, politics, and the global political economy, discusses the implications of the war on the Russian economy, its financial sector, and the Russian elite. Furthermore, Kagarlitsky analyzes the ongoing crisis of globalization, in particular Western sanctions, rising commodity prices, and the current role of China.
Published: 19 September 2022
Berliner Journal für Soziologie, Volume 32, pp 427-454; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00481-x

Abstract:
Zusammenfassung: Der Aufstieg Chinas hat zu einer Reihe von Konflikten mit den führenden westlichen Ländern geführt. Der Hintergrund dieser Auseinandersetzungen besteht darin, dass chinesische Konzerne zu ernsthaften Konkurrenten US-amerikanischer und europäischer Unternehmen geworden sind und die Ordnungsvorstellungen von US- und EU-Machteliten auf der einen und jene Chinas auf der anderen Seite auseinanderdriften. Denn in China sind politische und wirtschaftliche Macht anders organisiert als in den westlichen Marktwirtschaften: Der Parteistaat ist (Teil‑)Eigentümer wichtiger Unternehmen und interveniert offen mit Fünfjahresplänen in die Volkswirtschaft. Die Kommunistische Partei Chinas ist als Regulationsinstanz in Unternehmen präsent. Gleichzeitig organisiert der Parteistaat seine Herrschaft durch Output-Legitimität und funktioniert vielerorts als kennziffergesteuertes, meritokratisches System. Die Expansion des hybriden chinesischen Parteistaatskapitalismus führt deshalb zu einem neuen Systemkonflikt: Wirtschaftlich werden aufstrebende chinesische (Staats‑)Unternehmen zu Konkurrenten, politisch wird die Kontrolle von sensiblen Datenströmen und Infrastrukturnetzwerken zum Streitpunkt. In dem Artikel werden aktuelle Konfliktdynamiken zwischen den USA und China einerseits und der EU und China andererseits in den Bereichen Außenhandel, Investitionen, Hochtechnologie und Industriepolitik aus der Perspektive der Vergleichenden Politischen Ökonomie und des Weltsystemansatzes untersucht. Es werden jeweils Unterschiede in den Reaktionen herausgearbeitet: Die USA setzten auf eine aggressive Handels- und Sanktionspolitik, während die EU mit defensiveren Maßnahmen reagiert hat. Es wird gezeigt, wie diese Konflikte Chinas staatsgetriebene Globalisierungsstrategie verändern und zur Restrukturierung der Weltwirtschaft beitragen.
Published: 8 September 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-14; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00480-y

Abstract:
Zusammenfassung: Der Beitrag reagiert auf die Kritik von Thomas Hoebel zu unserem Vorschlag, das Modell soziologischer Erklärung (MSE) für die Erklärung von Gewaltphänomenen einzusetzen. Dabei fokussiert er drei seiner Kritikpunkte: Erstens zeigt er, dass das MSE keine Begriffsfestlegung darüber liefert, was „Gewalt“ ist. Unser Vorschlag impliziert weder einen Begriffsrealismus noch eine Festlegung des Begriffs durch das MSE, dessen explanatorische Vorgehensweise Hoebel in seiner Kritik nicht vollständig berücksichtigt. Zweitens weist er den Vorwurf zurück, unsere Literaturauswahl sei ein selektives „Rosinenpicken“. Die von Hoebel als Gegenbeweise angeführten Studien widersprechen unserem Vorschlag nicht, sondern stützen diesen sogar. Drittens geht er auf Hoebels Fehlinterpretation unserer Übersetzung von Randall Collins’ Ansatz in das MSE ein: Seine Fehldeutung beruht auf einer voreiligen Gleichsetzung des MSE mit einem engen Verständnis von Rationaltheorien. Die Replik schließt mit einer Erklärung für die gewaltvoll kommunizierte Kritik von Hoebel.
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