Zeitschrift für Germanistik

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ISSN / EISSN : 0323-7982 / 2235-1272
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Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 471-486; https://doi.org/10.3726/92172_471

Abstract:
Das ästhetische Phänomen, das die Organisatoren Jan Urbich (Leipzig) und David E. Wellbery (Chicago) mit ihrem Symposium anvisierten, bezeichnen sie als ,Überforderung der Form‘. Das spezifische Interesse liegt auf ästhetisch-poetischen Formen literarischer Werke, die mit ihren explizit formreflexiven Strukturmomenten in Grenzbereiche eintreten. So beabsichtigen sie, über ihre eigenen Darstellungsmöglichkeiten hinauszuweisen und diese gerade dadurch zu reflektieren. Solche ,überforderten‘ Formen nutzen mittelbar ihre vorhandene, tradierte Gestalt zur Etablierung bereits in ihnen enthaltener, sich bisher aber nur defizitär artikulierender Potentiale. Das Ziel ist, mittels der Beschreibung dieser verschieden ausgeprägten Formbetonungen neue Einsichten in literaturgeschichtliche und -ästhetische Zusammenhänge zu ermöglichen. Zum zweitägigen Gespräch waren dazu Literaturwissenschaftler:innen aus Deutschland, der Schweiz und den USA in die Bibliotheca Albertina eingeladen. Gefördert wurde die Veranstaltung durch die Fritz-Thyssen-Stiftung.
Carsten Rohde, Mark-Georg Dehrmann
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 275-277; https://doi.org/10.3726/92172_275

Abstract:
Seit der sogenannten ,Tendenzwende‘ in den 1970er Jahren, die auch mit den Schlagwörtern ,Neue Subjektivität‘ bzw. ,Neue Innerlichkeit‘ belegt wird, kennzeichnet die jüngere deutsche Literatur ein verstärktes Interesse an biographischen und autobiographischen Erzählformen. Texte wie Peter Schneiders Lenz (1973) oder Rolf Dieter Brinkmanns Rom, Blicke (1979) betonen einerseits ihre Verwurzelung in individueller Erfahrung, und zwar durchaus als Reflex auf die als eindimensional empfundene Politisierung der Studentenbewegung. Andererseits lassen sie sich gerade mit ihrer Insistenz auf der individuellen Biographie als neuartige Reaktionen auf die allgemeineren sozialen und kulturellen Veränderungen in den Gesellschaften des Westens lesen. Was Sozialwissenschaftler ,Individualisierung‘ oder auch den ,postmaterialistischen Wertewandel‘ genannt haben, artikuliert sich im Bereich der Literatur in einer Konjunktur von Textformen, die das Ich und seine biographische Identität zum Gegenstand haben und in besonderer Weise exponieren. In diesen größeren gesellschaftspolitisch-historischen Kontext gehören auch die Formen biographischen Erzählens in der jüngeren Gegenwart, die in diesem Themenheft der Zeitschrift für Germanistik näher betrachtet werden sollen.
Diego León-Villagrá
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 305-320; https://doi.org/10.3726/92172_305

Abstract:
Autopathographie und Autoethnographie werden anhand von Wolfgang Herrndorfs Arbeit und Struktur und Fritz Zorns Mars als primäre und antonyme autobiographische Schreibweisen der Krankheit in der Gegenwart bestimmt. Während die Autopathographie dabei den individuellen Krankheitsprozess, seine Semiotik und den Topos der Autonomie fokussiert, intendiert die Analyse des Krankheitszustands und seiner Kausalität im Fall der Autoethnographie Rückschlüsse auf allgemeingültige soziokulturelle Leiterfahrungen.Based on Wolfgang Herrndorf’s Arbeit und Struktur and Fritz Zorn’s Mars, autopathography and autoethnography are identified as primary and antonymous autobiographical modes of writing about illness in contemporary literature. While autopathography focuses on the individual process of disease, its semiotics, and the topos of autonomy, autoethnography analyzes the state of the disease and its causality, intending conclusions about general sociocultural experiences.
Carsten Rohde
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 290-304; https://doi.org/10.3726/92172_290

Abstract:
Das Memoir bezeichnet eine autobiographische Erzählform, die zu Beginn des 21. Jahrhunderts in der literarischen Öffentlichkeit Verbreitung findet. Ein zentrales Gattungsmerkmal ist die Verknüpfung von autobiographischer Erzählung und Identität mit politisch-sozialen Themen und Standpunkten. Darüber hinaus findet der Terminus gelegentlich im literaturkritischen und allgemeinen literarischen Diskurs als lediglich modernistisches Synonym für ,autobiographische Erzählung‘ Verwendung. Derlei Unschärfen tragen dazu bei, dass Aussagen über die Sinnhaftigkeit und Lebensdauer dieses Genrebegriffs noch wenig valide sind. Der Beitrag plädiert für eine Verwendung bei solchen autobiographischen Texten, die am Schnittpunkt von Autobiographie, Erzählung und Sachbuch liegen und zudem einen markanten gesellschafts- oder identitätspolitischen Fokus aufweisen.The German term ,Memoir‘ refers to an autobiographical narrative form that is becoming widespread among the literary public at the beginning of the 21st century. A central feature of the genre is linking autobiographical narrative and identity with political-social themes and viewpoints. The term is also occasionally used in literary criticism and general literary discourse merely as a modernist synonym for ,autobiographical narrative‘. Such vagueness contributes to the fact that statements about the meaningfulness and longevity of this genre term are currently not very valid. This article argues for its use in autobiographical texts that lie at the intersection of autobiography, narrative, and non-fiction and also have a distinctive socio-political or identity-political focus.
Erik Schilling
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 278-289; https://doi.org/10.3726/92172_278

Abstract:
Die Begriffe ,Authentizität‘ und ,Autofiktion‘ operieren mit einer Zuschreibung von Eigenschaften zu einer Person oder einem Text. ,Authentizität‘ und ,Autofiktion‘ lassen sich daher rezeptionsästhetisch untersuchen, nicht jedoch als Merkmal des Beobachteten. Die Romane und Interviews Christian Krachts und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit illustrieren diesen Zusammenhang. Am Beispiel von Eurotrash lässt sich zeigen, wie der Roman Autorschaft als performatives Konstrukt darstellt und damit die Unmöglichkeit einer Referentialisierbarkeit von Aussagen betont.The terms ,authenticity‘ and ,autofiction‘ operate with an attribution of qualities to a person or a text. This can be analyzed with regard to reception aesthetics, but not as a quality of the observed. Christian Kracht’s novels and interviews together with their public reception illustrate this. The example of his latest novel Eurotrash can be used to show how the text presents authorship as a performative construct and highlights the impossibility of referentializing assertions.
Marie Schröer
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 352-374; https://doi.org/10.3726/92172_352

Abstract:
Die Verhandlung biografischer Inhalte im Comic wird immer beliebter und sorgt für wachsende Aufmerksamkeit des Feuilletons für das Medium. Im Beitrag wird skizziert, wie welche Persönlichkeiten in Wort und Bild portraitiert werden; zudem werden Unterkategorien der Comic-Biografie herausgearbeitet. Die Sichtung einer Vielzahl aktueller Comics ermöglicht es, erste Antworten auf zwei einander ergänzende Fragen zu finden: Inwiefern profitiert der Comic von der Biografie; und inwiefern profitiert die Biografie vom Comic?Bio-Comics (or comic biographies) are becoming increasingly popular and are widely discussed in the media. The article outlines which and how personalities are portrayed in words and pictures and discusses possible subcategories. The review of a large number of current biographical comics makes it possible to find initial answers to two complementary questions: To what extent does the comic benefit from the biography; and to what extent does the biography benefit from the comic?
Vincent Fröhlich
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 375-394; https://doi.org/10.3726/92172_375

Abstract:
Der Beitrag behandelt biographisches Erzählen in den Serien Halston, The Crown und The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story. Die These lautet, dass diese Serien eine Beziehung zum Fernsehen als Gedächtnismedium reflektieren, dabei das televisuelle Wissen über die dargestellten Biographien in die eigene Erzählweise miteinbauen und zugleich in der Reflexion sowie Zitation der Fernsehbilder ihre eigene Art des biographischen Erzählens betonen. Weiterhin nähert sich der Artikel mittels der Beobachtung einer eigenen Gedächtnisherausbildung durch die Serien sowie verschiedener damit zusammenhängender Operationsweisen der eigenen Modalität des seriell-biographischen Erzählens an.The article examines biographical storytelling in the television series Halston, The Crown and The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story. I argue that these TV series reflect their relationship to television as a medium of memory. In doing so, the televisual knowledge about the biographies portrayed is incorporated into the series’ own modes of narration. In the reflection and citation of the television images, the series emphasise their own ways of biographical narration. The essay furthermore approaches the specific modality of serial-biographical narration by observing the series’ own memory production as well as various related modes of operation.
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 206-252; https://doi.org/10.3726/92171_206

Abstract:
Wer ist Friedrich Gedike? Der Mann war Schuldirektor in Berlin (Friedrichswerdersches Gymnasium und Gymnasium zum Grauen Kloster), Begründer und Leiter des ersten Seminars für Schulamtskandidaten und Wegbereiter der Schulneuordnung im Rahmen der preußischen Bildungsreform unter Wilhelm von Humboldt. Ferner war er Mitglied namhafter Berliner Sozietäten und Mitherausgeber der Berlinischen Monatsschrift – jenem Periodikum, in dem Kant seine berühmte Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, veröffentlichte. Und er bekleidete weitere Ämter, liebte und gebrauchte Bücher en masse und besaß nicht zuletzt privat eine der ,,hauptsächlichsten Büchersammlungen der Haupt- und Residenzstadt Berlin“ (S. 9) in den Jahren um 1800. Dennoch zählt dieser Unentwegte nicht zu den ganz bekannten Größen seiner Zeit.
Erdmut Wizisla
Zeitschrift für Germanistik, Volume 32, pp 126-132; https://doi.org/10.3726/92171_126

Abstract:
Walter Benjamin hatte eine enge Beziehung zu Katalogen: Er nutzte die Findhilfsmittel öffentlicher Bibliotheken, er studierte Auktionsverzeichnisse, er besprach Ausstellungskataloge. Als Archivar seiner eigenen Arbeit fertigte er Kataloge seiner Texte, Projekte, Briefschaften und Buchbestände an. Der Aufsatz zeigt, dass Kataloge nicht nur eine Voraussetzung von Benjamins Arbeit waren, sondern dass sein Schreiben katalogisch ist – als lebendig gewordene Durchdringung seiner Materialsammlungen. Walter Benjamin had a close relationship with catalogues: he used the catalogues of public libraries, he studied auction lists, he reviewed exhibition catalogues. As an archivist of his own work, he produced catalogues of his texts, projects, correspondence, and of his library. The essay shows that catalogues were not only a prerequisite of Benjamin’s work, but that his writing is catalogue-like – as a living penetration of his collections of material.
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