Berliner Journal für Soziologie

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ISSN / EISSN : 0863-1808 / 1862-2593
Published by: Springer Nature (10.1007)
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Published: 19 September 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-14; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00482-w

Abstract:
The Russian invasion of Ukraine is having profound repercussions for the international system and the global economy. In this conversation, Boris Kagarlitsky, professor at the Moscow School for Social and Economic Sciences and long-standing analyst of Russian society, politics, and the global political economy, discusses the implications of the war on the Russian economy, its financial sector, and the Russian elite. Furthermore, Kagarlitsky analyzes the ongoing crisis of globalization, in particular Western sanctions, rising commodity prices, and the current role of China.
Published: 19 September 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-28; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00481-x

Abstract:
Zusammenfassung: Der Aufstieg Chinas hat zu einer Reihe von Konflikten mit den führenden westlichen Ländern geführt. Der Hintergrund dieser Auseinandersetzungen besteht darin, dass chinesische Konzerne zu ernsthaften Konkurrenten US-amerikanischer und europäischer Unternehmen geworden sind und die Ordnungsvorstellungen von US- und EU-Machteliten auf der einen und jene Chinas auf der anderen Seite auseinanderdriften. Denn in China sind politische und wirtschaftliche Macht anders organisiert als in den westlichen Marktwirtschaften: Der Parteistaat ist (Teil‑)Eigentümer wichtiger Unternehmen und interveniert offen mit Fünfjahresplänen in die Volkswirtschaft. Die Kommunistische Partei Chinas ist als Regulationsinstanz in Unternehmen präsent. Gleichzeitig organisiert der Parteistaat seine Herrschaft durch Output-Legitimität und funktioniert vielerorts als kennziffergesteuertes, meritokratisches System. Die Expansion des hybriden chinesischen Parteistaatskapitalismus führt deshalb zu einem neuen Systemkonflikt: Wirtschaftlich werden aufstrebende chinesische (Staats‑)Unternehmen zu Konkurrenten, politisch wird die Kontrolle von sensiblen Datenströmen und Infrastrukturnetzwerken zum Streitpunkt. In dem Artikel werden aktuelle Konfliktdynamiken zwischen den USA und China einerseits und der EU und China andererseits in den Bereichen Außenhandel, Investitionen, Hochtechnologie und Industriepolitik aus der Perspektive der Vergleichenden Politischen Ökonomie und des Weltsystemansatzes untersucht. Es werden jeweils Unterschiede in den Reaktionen herausgearbeitet: Die USA setzten auf eine aggressive Handels- und Sanktionspolitik, während die EU mit defensiveren Maßnahmen reagiert hat. Es wird gezeigt, wie diese Konflikte Chinas staatsgetriebene Globalisierungsstrategie verändern und zur Restrukturierung der Weltwirtschaft beitragen.
Published: 8 September 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-14; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00480-y

Abstract:
Zusammenfassung: Der Beitrag reagiert auf die Kritik von Thomas Hoebel zu unserem Vorschlag, das Modell soziologischer Erklärung (MSE) für die Erklärung von Gewaltphänomenen einzusetzen. Dabei fokussiert er drei seiner Kritikpunkte: Erstens zeigt er, dass das MSE keine Begriffsfestlegung darüber liefert, was „Gewalt“ ist. Unser Vorschlag impliziert weder einen Begriffsrealismus noch eine Festlegung des Begriffs durch das MSE, dessen explanatorische Vorgehensweise Hoebel in seiner Kritik nicht vollständig berücksichtigt. Zweitens weist er den Vorwurf zurück, unsere Literaturauswahl sei ein selektives „Rosinenpicken“. Die von Hoebel als Gegenbeweise angeführten Studien widersprechen unserem Vorschlag nicht, sondern stützen diesen sogar. Drittens geht er auf Hoebels Fehlinterpretation unserer Übersetzung von Randall Collins’ Ansatz in das MSE ein: Seine Fehldeutung beruht auf einer voreiligen Gleichsetzung des MSE mit einem engen Verständnis von Rationaltheorien. Die Replik schließt mit einer Erklärung für die gewaltvoll kommunizierte Kritik von Hoebel.
Published: 1 September 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-33; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00479-5

Abstract:
Zusammenfassung: Die wirtschaftlichen Erschütterungen infolge der COVID-19-Pandemie scheinen die Notwendigkeit einer geografischen Restrukturierung und Rückverlagerung der Produktion zu bestärken, führten sie doch die Verwundbarkeit der globalisierten Produktionsstrukturen vor Augen. Der Beitrag geht den Auswirkungen von COVID-19 auf die Geografie globaler Produktionsnetzwerke nach. In Abgrenzung zu unterkomplexen Perspektiven auf die Globalisierung wird deren multiskalarer und politisch gestalteter Charakter hervorgehoben. Basierend auf diesen theoretischen Überlegungen und Fallstudien zur Automobil‑, Elektronik- und Bekleidungsindustrie wird gefolgert, dass die COVID-19-Pandemie nicht als Auslöser für einen allgemeinen Rückbau der globalen Fertigung interpretiert werden kann, wohl aber bereits länger anhaltende Verschiebungen hin zu multipolaren Produktions- und Konsumstrukturen verstärkt. Zwar hat das Thema der Resilienz globaler Produktionsnetzwerke eine größere Aufmerksamkeit in der strategischen Planung von Unternehmen und der Industriepolitik von Staaten erhalten. Eine verstärkte Lokalisierung und Regionalisierung von Produktionsnetzwerken ist jedoch nur eine Strategie von mehreren und wurde bis jetzt kaum implementiert. Anhaltende Störungen der Lieferketten, steigende Transportkosten und vor allem geo- und umweltpolitisch motivierte Politiken könnten aber durchaus zu einem stärkeren Re- oder Nearshoring führen. Politische Bestrebungen in diese Richtung werden jedoch limitiert durch gewachsene weltwirtschaftliche Entwicklungspfade und die mit ihnen verbundenen Kräfteverhältnisse. Im Ausblick betont der Beitrag die Notwendigkeit einer umfassenden politisch motivierten Restrukturierung globaler Produktionsnetzwerke im Kontext der dringend gebotenen sozial-ökologischen Transformation.
Published: 23 August 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-33; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00478-6

Abstract:
Zusammenfassung: Bis heute birgt das Internet das Versprechen, alle Menschen in einem globalen Kommunikationsnetz horizontal zu vereinen. Doch seit einigen Jahren gibt es Bemühungen autoritärer wie demokratischer Staaten, sowohl digitale Anwendungen als auch die physischen und technischen Infrastrukturen des Internets ihrem souveränen Zugriff zu unterwerfen. Und auch die „Big Tech“-Unternehmen versuchen zunehmend, „ihren“ digitalen Raum exklusiv zu kontrollieren. In der Folge mehren sich die Warnungen vor einer möglichen Fragmentierung des Internets. Um diese Warnungen einzuordnen, bedient sich der Beitrag der Netzwerktheorie und zeichnet die Konflikte und Entwicklungen nach, die das Internet seit den frühen Visionen der Internet-Exzeptionalisten in den 1990er-Jahren bis zu aktuellen Souveränitätsbestrebungen geprägt haben. Es wird sichtbar, dass sowohl Staaten als auch Unternehmen seit einiger Zeit eine fundamentale Rekonfiguration der globalen digitalen Ordnung herbeizuführen versuchen. Ihr Bemühen, die Macht über Teilnetze zu festigen, verändert dabei auch die Strukturen des globalen Netzes und geht mit einer Stärkung autoritärer Ordnungsvorstellungen einher. Vor der Kontrastfolie der kosmopolitisch-liberalen Vision eines global geeinten Netzes stellt sich dies zwar als Fragmentierung dar. Der netzwerktheoretische Zugriff macht jedoch deutlich, warum die Pluralisierung des Internets noch nicht mit dessen Fragmentierung gleichzusetzen ist.
Published: 11 July 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-30; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00475-9

Abstract:
Zusammenfassung: Die Systemtheorie positioniert sich in prominenter Weise als eine Sozial- und Gesellschaftstheorie, die sich aufgrund ihrer kybernetischen Denkfiguren und Begriffe besonders dazu eignet, die Digitalisierung der Gesellschaft soziologisch zu deuten. Angesichts dieses Anspruchs reflektiert dieser Beitrag die Bedingungen und Grenzen einer systemtheoretischen Beschreibung digitaler Sozialität. Selbst- und Fremdzuschreibungen der Systemtheorie als Theorie digitaler Sozialität rekapitulierend, betreibt er dazu eine Beobachtung zweiter Ordnung jenes kybernetischen Blicks, der Sozialität generell in funktional-formaler Weise als Prozess der Informationsverarbeitung versteht und Mensch und Computer damit gleichsam symmetrisiert. Es wird herausgearbeitet, dass die Systemtheorie zwar in der Tat gut geeignet ist, eine bereits digital konstituierte Sozialität zu beschreiben, ihr jedoch die Hervorbringung der Unterscheidung von Digitalem und Analogem gerade aufgrund ihrer kybernetisch-digitalen Theorieanlage latent entgleitet. Dies, so die Argumentation, manifestiert sich in einem blinden Fleck der Systemtheorie mit Blick auf Prozesse der Digitalisierung. Zur Bearbeitung dieser Leerstelle schlägt der Beitrag vor, Interfaces als soziotechnische Scharniere, die Analoges in Digitales übersetzen, soziologisch zu fokussieren. Denn erst diese Schnittstellen, so die These, ermöglichen einerseits die Symmetrisierung sämtlicher Entitäten im Register der Digitalität und machen andererseits das nicht-übersetzbare oder -übersetzungswürdige Analoge als „Rest“ des Digitalen intelligibel. Eine Sozialtheorie der Digitalisierung ist mithin angehalten zu rekonstruieren, wie eine Gesellschaft ihre analoge Umwelt laufend digital markiert, verarbeitet und schließlich vergisst.
Published: 14 June 2022
Berliner Journal für Soziologie pp 1-32; https://doi.org/10.1007/s11609-022-00473-x

Abstract:
Zusammenfassung: Auf Basis qualitativer Daten untersucht der Beitrag, welche Bedeutung der Klassenlage für die in der österreichischen Gesellschaft vorzufindenden Solidaritätsorientierungen zukommt, v.a. im Hinblick auf sozialstaatliche Arrangements und die Solidarität mit Geflüchteten. Das empirische Material wurde in einer zwischen 2016 und 2019 durchgeführten Studie in Österreich erhoben und umfasst insgesamt 48 Interviews. Die Aussagen werden zunächst mithilfe einer Heuristik von fünf Solidaritätsdimensionen zu einer Typologie von sieben Solidaritätskonfigurationen systematisiert und daraufhin im Hinblick auf die Relevanz der jeweiligen Klassenlage der Befragten differenziert. Mit Rekurs auf Bourdieu wird dabei nicht nur auf die objektive Klassenlage Bezug genommen, sondern auch auf die latenten Wirkungsmechanismen der Klassenherkunft im Sinne eines Klassenhabitus. Auf diese Weise kann sowohl bei nicht-privilegierten als auch bei privilegierten Befragten gezeigt werden, wie die jeweiligen Solidaritätskonfigurationen von der Klassenzugehörigkeit beeinflusst, wenn auch nicht determiniert sind. Im Ergebnis zeigen sich aufschlussreiche Unterschiede v.a. in Hinsicht auf Reichweite, Bedingungen und Gerechtigkeitsprinzipien der jeweiligen Solidaritätsorientierung. Es wird deutlich, dass der Fokus auf Klasse das Verständnis von Ein- und Ausschlüssen im Hinblick auf die sozialstaatliche Solidargemeinschaft plausibilisiert.
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