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Fehlende Zähne in der ästhetischen Zone – Lücke auf oder Lücke zu? Ein Interview mit Dr. Ute Schneider-Moser und Dr. Lorenz Moser

Ute Schneider-Moser, Lorenz Moser, Manuel Nienkemper

Abstract: Fehlende Zähne in der ästhetischen Zone – Lücke auf oder Lücke zu? MN: Liebe Ute, lieber Lorenz, vielen Dank, dass ihr euch Zeit nehmt, der IOK auf einige brennende Fragen bezüglich des heißen Themas „Fehlende Zähne in der ästhetischen Zone – Lücke auf oder Lücke zu?“ zu antworten. Lasst uns gleich mit des Pudels Kern starten: Was ist eure Meinung? Liest man eure Veröffentlichungen im American Journal of Orthodontics 2016, dem Journal of Clinical Orthodontics 2018 und der vorletzten Ausgabe von Seminars in Orthodontics dieses Jahres, könnte man den Eindruck bekommen, dass ihr im Oberkieferfrontzahnbereich lieber öffnet als schließt [1] [2] [3]. Ist das so? U&L: Lieber Manuel, das wäre eine falsche Schlussfolgerung, denn auch wir ziehen, wenn es möglich ist, den kieferorthopädischen Lückenschluss der Lückenöffnung vor ([Abb. 1], [2]) Wir sind aber in unserer Indikationsstellung nicht so rigoros wie unsere geschätzten Freunde und Kollegen Marco Rosa, Björn Ludwig oder Benedikt Wilmes, die seit geraumer Zeit den kieferorthopädischen Lückenschluss bei allen Patienten unabhängig von der gegebenen Fehlstellung anstreben [4] [5] [6] [7] [8]. Wir halten es eher mit Renato Cocconi, der je nach den individuellen Gegebenheiten sowohl den Lückenschluss als auch die Lückenöffnung durchführt [9]. MN: Wie erklärt sich diese unterschiedliche Sichtweise? Ihr seid doch alle aktive Mitglieder der Angle Society (ASE), die 2012 ein White Paper zum Thema der Aplasien von oberen seitlichen Schneidezähnen herausgegeben haben [10]. Seid ihr euch also doch nicht so einig? U&L: Wie du weißt, lieber Manuel, denn du bist ja auch ein ASE-Mitglied, beinhaltet das ASE Consensus Paper kein Einheitscredo zum Lückenschluss unter allen Umständen. Unsere Experten haben nach kritischer Evaluation der bestehenden evidenzbasierten Literatur lediglich festgestellt, dass es bei bestimmten Patienten, nämlich jugendlichen (und zwar besonders bei weiblichen) Erwachsenen mit einer hohen Lachlinie besser ist, auf Lückenöffnung mit prothetischer Rehabilitation zu verzichten, da diese ein erhöhtes Risiko für ästhetische Komplikationen aufweisen, zu denen sich unter Umständen noch parodontale Probleme hinzugesellen können. Diese Probleme müssen nicht zwangsläufig auftreten, doch sie stellen natürlich ein unvorhersagbares, aber mögliches Langzeitproblem dar. MN: Welche modernen prothetischen Möglichkeiten stehen für den Ersatz von fehlenden Zähnen im Oberkieferfrontzahnbereich zur Verfügung? Hat sich da in den letzten Jahren eine neue Möglichkeit aufgetan? U&L: Grundsätzlich gibt es 2 Möglichkeiten Lücken im Frontzahnbereich zu versorgen: mit einer einarmigen Klebebrücke („cantilever resin-bonded bridge“) oder einer implantatgetragenen Keramikkrone. Der Vorteil der modernen Klebebrücke im Vergleich zur sogenannten Marylandbrücke ist, dass diese sofort nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung – also auch beim jugendlichen Patienten – nur an einem Zahn (entweder am mittleren Schneidezahn oder am Eckzahn) palatinal angeklebt wird, sodass sich der Ankerzahn genau wie die anderen natürlichen Zähne den kontinuierlichen Veränderungen der Dentition anpassen kann. Studien von Kern et al. haben gezeigt, dass diese einarmigen Klebebrücken eine ausgezeichnete Langzeitprognose haben und daher heute nicht mehr nur als Langzeitprovisorium, sondern als Dauerlösungen angesehen werden [11] [12] [13]. Natürlich ist es sehr wichtig, dass bereits bei der kieferorthopädischen Lückenöffnung ausreichend Platz für den Aufleger geschaffen wird, damit der Ankerzahn nicht präpariert werden muss. Eine gute interdisziplinäre Kommunikation ist also auch bei dieser sehr konservativen Behandlungsstrategie unerlässlich ([Abb. 3]). Implantatgetragene Kronen hingegen können erst nach Abschluss der Wachstumsphase mit einem längeren Sicherheitsabstand (bei Frauen etwa ab 19 Jahren, bei Männern ab 22 Jahren) eingebracht werden und müssen häufig mit einem zusätzlichem Knochen- und/oder Weichteilaufbau (bone bzw. soft tissue graft) zur Optimierung des Implantatbetts kombiniert werden ([Abb. 4]). Die faziale Knochenwand ist meist zu dünn, um ein jahrzehntelang parodontal und ästhetisch voll befriedigendes Ergebnis zu gewährleisten. Auch hier ist die intensive und gut koordinierte Zusammenarbeit des kieferorthopädisch-implantologisch-prothetischen Teams unerlässlich, um das bestmögliche Langzeitergebnis zu erreichen. Wenn so ein Team gut eingespielt ist und von Tag 1 an zusammenspielt, können heute exzellente Resultate von Einzelzahnimplantaten in dem ästhetisch sensiblen Oberkieferfrontzahnbereich auch langfristig erreicht werden [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20]. MN: Also gibt es, laut euch, eigentlich keine Kontraindikationen für Implantate in der ästhetischen Zone? U&L: Doch, die gibt es schon: nämlich genau die, die im White Paper der ASE aufgelistet wurden: Vor allem weibliche Long-Face-Patienten mit einer hohen Lachlinie, die eben viel marginale Gingiva exponieren [10]. Da fallen ja schon minimale Symmetrieunterschiede des Gingivalrands und leichte Einsenkungen des Knochens als Farbunterschiede unschön auf, und es ist manchmal schwer, ein optimales Ergebnis zu bekommen. Zudem ist bei diesen Patienten eine höhere Neigung zum Auftreten einer späteren Infraokklusion beschrieben, die jedoch häufig mehr durch eine Versteilerung der Frontzahnneigung als eine Elongation der Zähne zustande kommt. Allgemein bekannt ist, dass die Rezidivneigung beim...
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